Galiziertreffen Ostrau 2008
(Veröffentlichung im Monatsblatt
„Das Heilige Band“)
In bewährter Weise wurde das Galiziertreffen in Ostrau am 27.09.2008 mit einem Gottesdienst eröffnet. Pfarrer Gaden aus Halle ermutigte in seiner Predigt die Zuhörer, an den Werten festzuhalten, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht haben und diese an die nächsten Generationen weiterzugeben. Besonders die praktisch gelebte multinationale Verständigung war eine Erfahrung, die auch heute ein aktuelles Thema für die Jugend sein sollte. Ausdrücklich bezeichnete der Pfarrer auch die Gemeinschaft, die sich seit 1997 durch die regelmäßigen Galiziertreffen in Ostrau gebildet hat, als einen Wert an dem man festhalten sollte.
Zur Eröffnung des Treffens im Landgasthaus sprach Herr Eugen Dreher einige Worte im heimatlichen „pfälzischen“ Dialekt zu den etwa 120 Teilnehmern. Er begrüßte besonders die Gäste und gedachte der Toten, die nun nicht mehr wie bisher an dem Treffen teilnehmen konnten. Zwei der Gäste mit dem weitesten Weg sollen an dieser Stelle besonders genannt werden. Sie kamen aus Spanien und aus der Ukraine. Der Ukrainer aus Lemberg kam in der Hoffnung, Spuren seiner deutschen Großmutter mit Namen Guthan zu finden, die in der Gegend von Sambor lebte.
Eugen Dreher, der selbst die Nachkriegszeit in Ostrau erlebt hatte, erinnerte daran, dass nach 1945 allein in Ostrau und Werderthau im Rahmen der Bodenreform mindestens 30 Bauernfamilien aus Galizien auf dem Land der Familie von Veltheim angesiedelt wurden. Weitere Familien aus Galizien erhielten in den Nachbarorten Kütten, Drobitz, Drehlitz, Plötz, Stumsdorf usw. eine Existenzgrundlage als Neubauern. Man sollte aber hinzufügen, dass die Neubauern keine Neulinge, sondern erfahrene Landwirte waren.
Als Vertreter des Hilfskomitees übermittelte Herr Artur Bachmann die Grüße des Vorstandes und betonte, dass das Hilfskomitee die in Ostrau geleistete Arbeit hoch einschätzt. Es ist abzusehen, dass die Kontakte zwischen Hilfskomitee und Ostrauer Galiziertreffen im nächsten Jahr in eine neue Phase eintreten werden. Die Termine für die Vollversammlung der Vertrauensleute in Magdeburg und für das Ostrauer Treffen wurden auf das gleiche Wochenende gelegt. Am Samstag, den 12.09.2009 soll eine Busfahrt von Magdeburg nach Ostrau stattfinden und die Vertrauensleute und auch weitere Interessenten werden Gelegenheit haben, mit den Teilnehmern des Ostrauer Treffens Kontakte aufzunehmen.
Herr
Werner Kraus informierte dann über die aktuellen Beschlüsse des Hilfskomitees
und einige die Heimat- und
Familienforschung betreffende Fragen. Er konnte berichten, dass die Gedenktafel
für die Kirche in Wiesenberg an ihrem Bestimmungsort angekommen ist. (Sie wurde
im Heft Juli/August des Heiligen Bandes vorgestellt). Der im Septemberheft des
Heiligen Bandes veröffentlichte Spendenaufruf für das Denkmal auf dem Friedhof in
Münchenthal wurde in eindringlicher Form wiederholt, weil durch einen
dramatischen Anstieg der Preise für die Steinmetzarbeiten in der Ukraine mehr
als 4000 Dollar fehlen, die der Initiator Brian Lenius aus Kanada vorläufig aus
seinen Ersparnissen gezahlt hat.
Herr
Kraus gab auch einen Überblick über weitere regionale und zentrale Treffen der
Galiziendeutschen. Es treffen sich z.B. die Königsauer regelmäßig in Brehna bei
Halle. In Ergänzung dazu erinnerte Dr. Josef Köstler daran, dass im nächsten
Jahr das Treffen der Galiziendeutschen aus Machliniec am 13.06.2009 in Bad
Schmiedeberg stattfinden wird, und er wies darauf hin, dass 2009 von den
Königsauern eine Busfahrt nach Galizien organisiert wird, ausgehend von der
Firma Reich in Jüterbog. Dr. Köstler sprach auch einige Worte in seinem
böhmisch-deutschen Dialekt um daran zu erinnern, dass die Machliniecer eine für
die „Pfälzer“ fast unverständliche Sprache sprechen.
Nach dem Mittagessen sprach Dr. Eduard Merian aus Bad Schmiedeberg über die Einflüsse des Ukrainischen und Polnischen auf die Sprache der deutschen Siedler in Galizien, wobei er immer wieder in seinen pfälzischen Heimatdialekt, das „Schwewische“ verfiel. Wiederholt wies er auf das Buch von Julius Kremer „Unser Sprachschatz“ hin, das ihm die Anregung zu seinen Forschungen gegeben hatte. Nicht weniger interessant waren aber die Randbemerkungen zu seiner persönlichen Geschichte. Sein Vater war so eng mit seinem Heimatort Burgthal bei Gròdek verbunden, dass er es riskierte, nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Frühjahr 1942 in sein Heimatdorf zurückzukehren, um dort seinen Hof weiter zu bewirtschaften. Ende 1944 war die Flucht nach Deutschland natürlich unvermeidlich, aber als Kind und Jugendlicher hatte Herr Merian die Gelegenheit genutzt, die ukrainische und polnische Sprache zu lernen. Gleich nach dem Krieg begann er ein Studium der Slawistik in Halle. Die ukrainische Lektorin an der Universität Halle war aber nur kurze Zeit seine Lehrerin. Die russische Besatzungsmacht hatte dafür gesorgt, dass als sie als Kollaborateurin in Richtung Osten abtransportiert wurde, wahrscheinlich noch über die Ukraine hinaus…
Dicht umlagert waren die Tische, auf denen Exemplare der Literatur des Hilfskomitees zur Ansicht auslagen zusammen mit den Blättern, die die Möglichkeiten der Bestellung erläuterten. Das gleiche gilt auch für die von Herrn Kraus vorgestellten Hefte zur Heimat- und Familienforschung mit spezieller Ausrichtung auf die Heimatorte in der Umgebung von Lemberg.
Das Ergebnis der Geldsammlung betrug 450 Euro. Dazu wurde bekannt gegeben, dass 100 Euro für die notwendigen Auslagen zur Vorbereitung und Durchführung des Treffens verwendet werden müssen. Es blieb aber genug übrig, um 150 Euro für die Arbeit des Hilfskomitees und 200 Euro für das Projekt Friedhof Münchenthal zu spenden.
Den Termin für das nächste Treffen in Ostrau, den 12.09.2009 sollte man sich rechtzeitig in den Kalender schreiben mit der Bemerkung, dass es diesmal ein erweitertes Treffen zusammen mit dem Hilfskomitee sein wird.